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Projektteams in der Traktorenindustrie – Herausforderungen aus der Perspektive des Vertriebs
30. Januar 2020
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„Das grundlegende Wissen über die Existenz und den Inhalt von Industrie-Mentalitäten trägt aus meiner Sicht dazu bei, die partnerübergreifende Kommunikation und Integration, z.B. in der Planung und Durchführung von Projekten, zu stärken.“

Einschätzung eines langjährigen Geschäftspartners

Globale Teams spielen heute in mehrfacher Hinsicht eine bedeutende Rolle (Mockaitis et al. 2018): als Unterstützung bei der Schaffung eines positiven Klimas der Vielfalt; als Lösung für globales Talentmanagement und als Mittel der globalen Integration von Unternehmen. Die Arbeit in internationalen bzw. interkulturellen Projekteams stellt auch in der Traktorindustrie ein herausragendes Problem dar. Unserer Erfahrung nach geht es bei der Arbeit in Teams nicht nur um die Bewältigung interkultureller Herausforderungen, sondern auch um Konflikte, die sich aus unterschiedlichen Industrie- bzw. Branchenlogiken (z.B. Produktionsumfang, Anforderungen an die Entwicklung und Vertriebsstrategien) ergeben. Die Traktorenindustrie ist einerseits durch multinationale Unternehmen geprägt, deren Schlüsselbereiche wie Beschaffung, Engineering, Produktion und Vertrieb weitgehend dezentralisiert sind (z.B. John Deere, Kubota). Andererseits weiten mittelgroße Unternehmen (z.B. Fendt, Weidemann) ihre internationale Marktrelevanz durch die Integration in global tätige Land- sowie Baumaschinenhersteller aus. Die Bedeutung
internationaler Teams zur Bewältigung der technologischen und logistischen Herausforderungen nimmt seit Jahren zu. Je stärker ein multinationales Unternehmen im Zuge der Dezentralisierung seine internationalen Integrationsbemühungen erhöhen muss, desto bedeutender werden
interkulturelle Teams sein. Die Managementforschung zeigt, dass Innovationen nicht mehr nur die Bereiche Produkt- und Produktionstechnologie umfassen, sondern vermehrt die Geschäftsmodellinnovation umfasst (Snihur & Wiklund, 2019, 207): Je größer die technologischen Veränderungen (z.B. Digitalisierung, künstliche Intelligenz), desto größer die Notwendigkeit der Veränderung des Geschäftsmodells. Vermutlich angesichts der disruptiven Veränderungen in der Automobilindustrie sowie vor dem Hintergrund eines offensichtlichen Fachkräftemangels in der Traktorenindustrie wechseln immer mehr Experten aus der Automobilindustrie „die Fronten“. In diesem Zusammenhang erscheint es sinnvoll, das Konzept der Industrielogik aufzugreifen. Sie bildet nach Göttgens & Schott (2013, S. 10) die grundlegenden Mechanism zur Bearbeitung eines eines Marktes ab. So unterscheidet sich die Logik der Automobilindustrie gravierend von der Logik der Traktorenindustrie und wir gehen zudem davon aus, dass die sich aus den unterschiedlichen Logiken ergebenden Spannungen in Projekt-Teams gewollt sind.
Unternehmen erbringen erhebliche Investitionen für das Training interkultureller Beziehungen. Welchen Stellenwert genießen jedoch Trainings, die die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Industrielogiken zum Gegenstand haben?

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